- Drucktechnik
Drucktechnik / Druckverfahren
Unter dem Begriff Drucktechnik werden alle Druckverfahren zur Vervielfältigung von Druckvorlagen wie Buchdruck, Offsetdruck, Tiefdruck, Flexodruck, Siebdruck und Digitaldruck zusammengefasst. Bei diesen Druckverfahren werden unterschiedliche Techniken angewandt, um die Druckfarben auf den Bedruckstoff zu übertragen. Diese Drucktechniken dienen zur Massenfertigung – einer sogenannten »Auflage« – von Druckerzeugnissen durch wiederholte Verwendung einer einzigen Druckvorlage.
Grundlagen
»[Drucken ist die …] Wiedergabe einer textlichen respektive bildlichen Darstellung in beliebiger Anzahl durch Übertragung von Druckfarben bzw. färbenden Substanzen auf den Bedruckstoff mittels einer Druckform.« (Definition gemäß DIN 8730)
Die Vorbereitung der Druckformen erfolgt in der Regel durch die Mitarbeiter·innen der Druckvorstufe, einer eigenen Abteilung in der Druckerei. Seit den 1950er Jahren haben technische Fortschritte in der Fotografie und ab den 1960er Jahren in der elektronischen Text- und Bildverarbeitung die Herstellung der Druckvorlagen tiefgreifend verändert.
Durch den Einsatz von Computern und den entsprechenden Software-Programmen für den Ausschuss1) lässt sich der Reproduktionsprozess heute derartig beschleunigen, dass Gestaltungen innerhalb kurzer Zeit beispielsweise direkt mittels CTP2) auf die Druckplatte übertragen oder auf den Druckzylinder mittels Helio-Klischograph3) graviert werden können.
Für einen beträchtlichen Teil der heutzutage im Umlauf befindlichen Akzidenz- bzw. Werbedrucksorten kommen für höhere Stückzahlen (Auflage ab ca. 1.000 Stück) die beiden Druckverfahren des Offset- und Tiefdrucks zum Einsatz. Unter dieser Auflagengrenze kommt fast nur mehr der moderne Digitaldruck zur Anwendung.
Druckmaschinen für den Bahnendruck, wie der Rollenoffset und der Rotationstiefdruck, können Geschwindigkeiten zwischen 600 und 900 Metern pro Minute erreichen! Die Maschinen für den Bogendruck sind allgemein langsamer, können dafür auch verschiedene Bedruckstoffe, wie Bogen aus Karton, Blech oder Kunststoff bedrucken.
Färbige Gestaltungen werden in den genormten Druckfarben CMYK möglichst originalgetreu wiedergegeben. In einem Maschinenlauf können diese Farben nacheinander (Offset) oder gleichzeitig (digital) gedruckt werden. Beim Druck mit hoher Farbverbindlichkeit (z.B. für Unternehmensfarben) werden fertig gemischte Druckfarben – sogenannte Volltonfarben – eingesetzt.
Alle anderen Druckverfahren (siehe Einleitung oben) kommen für spezielle Anwendungsgebiete zum Einsatz oder sind nur für bestimmte Bedruckstoffe geeignet.
Druckprinzipien
In der Drucktechnik wird generell zwischen drei Druckprinzipien unterschieden:
- Fläche gegen Fläche (flach gegen flach)
- Zylinder gegen Fläche (rund gegen flach)
- Zylinder gegen Zylinder (rund gegen rund)
Fläche gegen Fläche
Dabei handelt es sich um das älteste Druckprinzip, bei dem der Bedruckstoff von einer flachen Gegendruckplatte (Tiegel) mit enormer Kraft (ca. 40 bis 60 Tonnen) auf eine flache, eingefärbte Druckformplatte gedrückt und dabei die Farbe übertragen wird. Die Nachteile des Prinzips sind die notwendigen Kräfte bei größeren Flächen und die eingeschränkte Geschwindigkeit. Tiegeldruckpressen (Druckerpressen), die heute noch für »Letterpress«-Anwendungen4) oder für Druckveredelungen wie Stanz- oder Prägearbeiten im Einsatz sind, arbeiten nach diesem Prinzip.
Zylinder gegen Fläche
Bei diesem Druckprinzip erfolgt der Anpressdruck auf den Bedruckstoff durch die Drehbewegung des Druckzylinders, der sich über der Druckform befindet. Dabei dreht sich der festgelagerte Zylinder um seine Achse, während der Bedruckstoff bei jedem Druckvorgang synchron unter ihm durchbewegt wird (Druckabwicklung). Dadurch ist der Anpressdruck nur innerhalb eines schmalen Streifens, nämlich der »tangentialen« Kontaktfläche zwischen rundem Zylinder und ebener Druckform wirksam. Auf diese Weise waren höhere Geschwindigkeiten und größere Bogenformate möglich, was vor allem für den Zeitungsdruck benötigt wurde. Diese Maschinen, die sogenannten Stoppzylinderpressen, sind heute kommerziell kaum noch im Einsatz (siehe auch p98a.berlin).
Zylinder gegen Zylinder
Das Druckprinzip funktioniert hier über zwei Zylinder. Die runde Druckform wird auf dem Druckzylinder befestigt. Der Bedruckstoff wird über den Gegendruckzylinder entweder als Bogen oder Rolle an den Formzylinder gepresst und so bedruckt. Durch die nicht unterbrochene Rotation von Zylinder gegen Zylinder sind das Abstoppen, Zurückfahren und Wiederbeschleunigen, wie bei der schweren flachen Druckform, zwischen den einzelnen Drucken nicht nötig. Aus physikalischen Gründen ist beim Prinzip rund gegen rund eine wesentliche Steigerung der Umdrehungszahlen bei Rotationsmaschinen möglich. Moderne Druckmaschinen arbeiten sowohl im Bogen- als auch im Rollenbereich nach diesem Prinzip.
Das Druckprinzip rund gegen rund kann sowohl direkt als auch indirekt erfolgen. Beim direkten Druckverfahren wird das Druckbild direkt von der Druckform auf den Bedruckstoff gebracht. Deshalb muss das Druckbild auf der Druckform seitenverkehrt sein. Beispiele für ein direktes Druckverfahren sind der Rakeltiefdruck, der Buchdruck und der Flexodruck.
Beim indirekten Druckverfahren wird das Druckbild zunächst auf einen Zwischenträger übertragen. Dieser ist flexibel und gibt die Farbe an den Bedruckstoff weiter ab. Aus diesem Grund muss das Druckbild auf der Druckform seitenrichtig sein. Beispiele für ein indirektes Druckverfahren sind der Offsetdruck, der Lettersetdruck und der Tampondruck.
Druckverfahren
Die einzelnen Druckverfahren werden nach den folgenden Gesichtspunkten unterschieden …
- nach dem Verhältnis, wie Druckelemente zur Druckform stehen, d.h. Flach-, Hoch-, Tief- und Durchdruck. Nach diesem Merkmal werden die Druckverfahren auch in der DIN 16500 als Hauptdruckverfahren unterschieden.
- nach dem Material der Druckform, beispielsweise Stein- oder Kupferdruck.
- nach der Bearbeitungsart der Druckform, beispielsweise manuell beim Holzschnitt oder der Lithografie, chemisch wie bei der Ätzung (Radierung, Klischee) oder fotomechanisch wie beim Lichtdruck.
- nach dem Automatisierungsgrad, beispielsweise handwerkliche, manuelle, halbautomatische, automatische oder industrielle Druckprozesse.
- nach dem Übertragungsweg; hier werden direkte von indirekten Druckverfahren unterschieden (siehe oben).
- nach Sonderformen oder Ableitungen der Hauptdruckverfahren.
- in Druckverfahren ohne Druckform (elektronische bzw. digitale Druckverfahren).
Anteil der Druckverfahren am Gesamtumsatz der Druckindustrie in der EU
| Druckverfahren | Umsatzanteil | Hauptsächliche Umsatztreiber |
|---|---|---|
| Flachdruck | 35% – 40% | Magazine, Kataloge, Broschüren, Kartonagen |
| Digitaldruck (Laser + InkJet) | 15% – 20% | Personalisierte Werbung, Kleinauflagen, Bücher |
| Tiefdruck | 10% – 15% | Sehr hohe Verpackungsauflagen, Dekorpapiere |
| Hochdruck | 10% – 15% | Flexible Verpackungen, Etiketten, Folien (via Flexodruck) |
| Siebdruck | ~5% | Textilien, Werbeartikel, industrielle Spezialoberflächen |
| Quelle: Market Data Forecast, Stand: Juli 2026 | ||
Hochdruck
Der ursprüngliche Buchdruck wird heute als Hochdruck bezeichnet, weil die Druckelemente erhaben auf der Druckform stehen. Bei den konventionellen Buchdruckmaschinen unterscheidet man grundsätzlich zwischen Tiegeldruckpresse, Zylinder-Druckpresse und Rotationsmaschine.
Bei der Tiegelpresse erfolgt der Druck flach gegen flach, da die flache Druckfläche des Tiegels gegen die flache, meist vertikal in die Tiegeldruckmaschine eingespannte Druckform gepresst wird.
Bei der Zylinderdruckpresse wird flach gegen rund gedruckt, das heißt, die flache Form wird beim Druckvorgang in der Regel unter dem runden Druckzylinder durchgezogen.
Bei der Rotationsmaschine erfolgt der Druck rund gegen rund, indem der Anpressdruck des Druckzylinders gegen die runde Druckform erfolgt. Bei der Tiegel- und Zylinderpresse erfolgt der Papiereinzug stets in Einzelbögen, bei den Rotationsmaschinen in der Regel in Papierbahnen von der Rolle.
Aus dieser Grundform des Hochdrucks entwickelten sich mit der Zeit zwei weitere Druckverfahren:
- Indirekter Buchdruck bzw. Letterset: Bei diesem Verfahren sind die druckenden Teile zwar auch erhaben, allerdings erfolgt der Druck von einer seitenrichtigen Druckform auf einen Gummituchzylinder, bevor dieser auf den Bedruckstoff übergeben wird. Aus diesem Grund wird diese Art des Druckens auch indirekter Hochdruck genannt. Die Bezeichnung setzt sich aus »Letterpress« (Buchdruck) und Offset (Umdruck über Gummizylinder) zusammen. Der Druckvorgang erfolgt jedoch ohne die Verwendung von Wasser, wie dies im Flachdruck nötig ist. Fälschlicherweise wird dieses Verfahren daher oft als Trockenoffset bezeichnet. Dies ist damit zu erklären, dass der Druck über den Gummituchzylinder erfolgt und auch in einer dafür vorgesehenen Offsetdruckmaschine mit abgeschalteter Feuchtung erfolgen kann. Anwendung findet der indirekte Buchdruck vor allem in der Verpackungsindustrie, beim Endlosdruck und beim Bedrucken von CDs und DVDs.
- Flexodruck: Dabei handelt es sich um ein neueres Hochdruckverfahren, bei dem die Druckform aus einer flexiblen Fotopolymerplatte besteht. Der Flexodruck steht in einem Wettbewerb mit dem Kupfer-Tiefdruck, mit dem aber qualitativ bessere Ergebnisse erzielt werden. Darüber hinaus ist er auch für kleine und mittlere Auflagen wirtschaftlich, da die hohen Kosten für das Erstellen einer Kupferplatte entfallen. Die Effizienz im Flexodruck wird durch die Verwendung von vorgefertigten Endlosdruckformen erheblich verbessert. Es handelt sich hier um speziell entwickelte Kautschukmischungen, in die das Druckmotiv mittels CO2-Lasers in die Oberfläche graviert wird. Anwendungsgebiete des Flexodrucks sind vor allem Verpackungsfolien.
Tiefdruck
Beim Tiefdruck werden die druckenden Elemente durch chemische oder mechanische Verfahren vertieft auf die Druckform (Zylinder) übertragen. Die einzelnen, durch ein gleichmäßiges Rastergitter voneinander abgesetzten Vertiefungen nennt man »Näpfchen«. Diese wurden früher durch Ätzung, heute durch mechanische Gravur mittels eines Diamantstichels oder einer Lasergravur erzeugt. Beim Druckvorgang wird der Druckformzylinder mit dünnflüssiger Druckfarbe eingefärbt und die überschüssige Farbe mittels Rakel blank vom Zylinder abgestreift. Die Farbe für den Druckvorgang bleibt daher nur in den vertieften Stellen des Zylinders zurück – es drucken also nur diese Stellen. Durch hohen Anpressdruck erfolgt die Übertragung der Farbe auf den Bedruckstoff.
Die Farbauftragsmenge wird durch die Tiefe der Näpfchen bestimmt. Der Hell-Dunkel-Effekt einer Abbildung im Tiefdruck hängt von der Menge der aufgetragenen Farbe ab. Dieser Umstand unterscheidet den Tiefdruck vom Buch- und Offsetdruck, wo das optische Ergebnis von Halbtonabbildungen nur durch die unterschiedliche Größe der einzelnen Rasterpunkte bestimmt wird. Die Druckfarbe hat auch eine andere Zusammensetzung als beispielsweise im Offsetdruck, da sie schnell von der saugenden Oberfläche des Papiers aufgenommen werden muss.
Der Rotationstiefdruck, das heißt der Tiefdruck mit zylindrisch ausgeführten Druckformen, ist bei Massendrucksachen, Zeitschriften, Dekorfolien in der Möbelindustrie und für Tapeten in sehr hohen Auflagen wirtschaftlich. Den hohen Kosten der Druckform stehen geringe Kosten im Auflagendruck gegenüber. Besonders für den Dekordruck ist die Möglichkeit des nahtlosen Endlosdrucks von Bedeutung.
Flachdruck
Beim Flachdruck liegen druckende und nichtdruckende Stellen in einer Ebene. Das Prinzip basiert hier auf dem chemischen Gegensatz von Fett und Wasser. Während die druckenden Stellen fettfreundlich sind, werden die nichtdruckenden Stellen mit einem Wasserfilm befeuchtet und stoßen die fettreiche Druckfarbe ab. Die druckenden, fettfreundlichen Stellen werden heute auf fotografischem Wege oder durch Laserbelichtung auf die Druckform übertragen und nehmen Farbe an. Die nichtdruckenden Stellen hingegen sind hydrophil aufbereitet, nehmen das Feuchtwasser auf und stoßen die Farbe im Druckprozess ab. Zum Flachdruck zählen unter anderem der Steindruck und der Offsetdruck, wobei der Offsetdruck eine Weiterentwicklung darstellt, indem indirekt über ein Gummituch gedruckt wird.
In der Praxis werden heute Bogen- und Rollenoffsetdruckmaschinen eingesetzt. Vorteile des Offsetdrucks sind die große Vielfalt an Bedruckstoffen und die schnelle und kostengünstige Herstel-lung der Druckformen. Tageszeitungen, Massendrucksachen, Zeitschriften und Verpackungen sind mit hohen Auflagen oder Umfängen im Rollenoffsetdruck wirtschaftlich herzustellen. Plakate, Fotobücher, Werbedrucksachen oder hochveredelte Druckerzeugnisse werden bei kleinen bis mittleren Auflagen im Bogenoffsetdruck wirtschaftlich und mit hoher Qualität hergestellt.
Durchdruck
Das bekannteste Durchdruckverfahren ist der Siebdruck, bei dem die Druckfarbe mit einem wischerähnlichen Werkzeug, die Gummirakel, durch ein feinmaschiges textiles Gewebe hindurch auf den Bedruckstoff gedrückt wird. Die Druckform des Siebdrucks besteht aus einem Rahmen, der mit einem Gewebe aus Metall- oder Kunststoff bespannt ist. Die gesamte Fläche des gespannten Gewebes wird mit einem Fotopolymer beschichtet und über einen positiven Film mit dem zu druckenden Motiv belichtet. Das Fotopolymer erhärtet an den nicht druckenden Stellen, das unbelichtete Material wird ausgewaschen. Beim Druckvorgang tritt die Druckfarbe nur dort durch Gewebe, wo dieses freigewaschen wurde.
Der Siebdruck ist ein direktes Druckverfahren. Zwischen Druckform und Bedruckstoff besteht ein Zwischenraum von einem bis wenigen Millimetern, der nötig ist, um den sogenannten »Absprung« zu ermöglichen. Diese Siebabsprunghöhe wird dort aufgehoben, wo die Rakel das Sieb so weit niederdrückt, dass die Schablone auf dem Bedruckstoff aufliegt. Dort werden in diesem Moment die Konturen abgedichtet und die Farbe auf den Bedruckstoff übertragen. Bewegt sich die Rakel weiter, hebt sich das gerade überstrichene Gewebe mit Schablone wieder an (Absprung; springt ab).
Im Siebdruckverfahren können die unterschiedlichsten Materialien bedruckt werden, sowohl flache Folien und Platten als auch geformte Objekte, wie Flaschen, Kunststoffbehälter und Textilien. Dazu verwendet man je nach Material spezielle Druckfarben. Im Vergleich zu anderen Druck-verfahren ist die Druckgeschwindigkeit relativ gering.
Beim Schablonendruck ohne tragendes Sieb muss die Schablone selbst ausreichend fest sein und ist beispielsweise aus Stahl gefertigt und direkt in den Rahmen gespannt. Die möglichen Druckbilder sind eingeschränkt. Eingesetzt wird dieses Verfahren beispielsweise zum Aufbringen der Lötpaste bzw. des Klebers auf meist rechteckigen Anschlussflächen auf Leiterplatten.
Andere Druckverfahren, die Sonderformen oder Ableitungen der oben angeführten Druckarten darstellen, sind:
Tampondruck
Der Tampondruck ist ein indirekter Rakeltiefdruck. Die Vorlage wird mit Hilfe eines Tampons aus porösem Silikonkautschuk von einer Fläche (Tiefdruckform) auf einen Gegenstand, beispielsweise einem Teller oder einem Kugelschreiber übertragen und kann damit auch auf unebene Bedruckstoffe aufgebracht werden. Daher wird der Tampondruck besonders bei der Produktion von Werbegeschenken verwendet, ebenso bei der feinen Bedruckung von Miniaturmodellen, Zifferblättern von Uhren oder bei der Beschriftung elektronischer Bauelemente und Schalter.
Stempeldruck
Der Stempeldruck ist eines der ältesten Druckverfahren, bei dem die einzelnen Druckformen, auf denen die Druckfarbe aufgebracht ist, auf den Bedruckstoff aufgedrückt werden. Stempeldruck ist ein Flexodruckverfahren und als solches dem Hochdruck zuzuordnen.
Pochoir
Beim Pochoir, auch Stencil oder Schablonenkunst genannt, werden Grafiken und Texte mittels Schablonen aufgetragen und gilt als eine der ältesten industriellen Farbdrucktechniken. Pochoir kommt heute in der Streetart vor und ist als eine Unterart des Graffito zu betrachten. Dieses Druckverfahren kann im weitesten Sinne dem Siebdruck zugeordnet werden.
Prägedruck
Beim Prägedruck werden zusätzlich zum Farbauftrag auch noch Muster in den Bedruckstoff geprägt. Beim Einprägen von Mustern ohne Farbauftrag spricht man von Blindprägung, Blindpressung oder Blinddruck. Da hier kein Farbauftrag stattfindet, handelt es sich nicht um eine Drucktechnik im Sinne der üblichen Definition, die auch in diesem Artikel verwendet wird, sondern wird eher der Druckveredelung zugeordnet.
Elektronische Druckverfahren
Elektronischen Druckverfahren, auch NIP-Verfahren (eng. »Non-Impact-Printing«), »Computer to Print« oder ugs. – und fälschlicherweise – auch Digitaldruck genannt, sind Verfahren, die OHNE explizite Druckform auskommen. Stattdessen wird dynamisch für jeden einzelnen Druckvorgang eine Bildpunktadressierung innerhalb des Druckformats generiert, sodass bei Bedarf jedes Druckexemplar ein individuelles Druckbild aufweisen kann – beispielweise ein Adresseintrag auf Einladungskarten. Diesen Vorgang nennt man Personalisierung und ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber den konventionellen Druckverfahren mit fester Druckform.
Auf diese Weise lassen sich aber auch die Einzelseiten von Büchern und Broschüren bereits in ihrer numerischen Reihenfolge drucken und zusammentragen, ohne einen Falzbogen für ein typisches Mehr-Seiten-Schema ausschießen zu müssen.
Elektronische Druckverfahren stehen für eine ständig wachsende Zahl von Farbthermodruckern, Plottern, Tintenstrahl- und Laserdruckern. Der klassische Laserdrucker ist jedoch genau genommen zu den elektronischen Flachdruckverfahren zu rechnen. Es entsteht durch die Abbildung des Druckbildes auf der Tonertrommel zwar eine Druckform, wenn auch nur eine temporäre.
Thermodirektdruck
Beim Thermodirektdruck wird das Druckergebnis durch punktuelle Hitzeerzeugung statt durch mechanischen Anschlag oder Andruck erreicht. Ein temperaturempfindliches Spezialpapier schwärzt sich durch Erhitzung. Der Thermodruck wird häufig in Registrierkassen verwendet und wurde früher auch in Faxgeräten eingesetzt. Seit dem Jahr 2017 gibt es auch ein zweifarbiges Thermodruckverfahren für Beschriftungsgeräte mit den Farben Schwarz und Rot.
Thermotransferdruck
Der Thermotransferdruck ist die Weiterentwicklung des Thermodirektdrucks, der vor allem für die Bedruckung von CDs und DVDs zum Einsatz kommt. Durch Erwärmung des Druckkopfes wird die Farbe von einer farbtragenden Polyesterfolie abgelöst und auf ein spezielles Retransferband übertragen. Von diesem wird dann eine Folie auf den Bedruckstoff aufgeschmolzen. Durch diese Zwischenübertragung ist eine hohe Auflösung möglich und der Druck kann vollflächig erfolgen. Somit können auch kleine Stückzahlen in fotorealistischer Qualität bedruckt werden.
Thermosublimationsdruck
Der Thermosublimationsdruck ist wiederum vom Thermotransferdruck weiterentwickelt worden. Der Unterschied ist die Übertragung der Farbe von der Trägerfolie auf das Papier durch Sublimation5). Da die Farbe kurz gasförmig ist, lassen sich echte Tonwertabstufungen ohne Rasterung erzeugen. Eine Schwäche des Thermotransferdrucks bei Fotoausdrucken konnte dadurch beseitigt werden. Allerdings sind die Verbrauchskosten für Transferfolien sehr hoch, sodass sich diese Geräte auf dem Markt nicht halten konnten. In jüngster Zeit etabliert sich das Druckverfahren wieder bei kleinformatigen Fotodruckern als Zubehör für Digitalkameras oder dient als Fotodrucker für die Laufkundschaft im Fotofachhandel.
Tintenstrahldruck
Durch die rasterförmige Anordnung der Farbdüsen am Druckkopf fallen Tintenstrahldrucker (eng. »Ink-Jet-Printer«) in die Kategorie der sogenannten Matrixdrucker6). Dabei wird durch den gezielten Abschuss aus kleinen Farbdüsen oder das Ablenken kleiner Tintentröpfchen das Druckbild erzeugt. Dabei unterscheidet man zwei Gerätegruppen:
- CIJ (Continuous Ink Jet) – also Geräte mit kontinuierlichem Tintenstrahl. Sie werden ausschließlich in der Industrie eingesetzt und finden dort in verschiedenen Bereichen, wie dem Druck von Rubbellosen, Haltbarkeitsdatum, EAN-Code, Adressierung und Personalisierung ihre Anwendung.
- DOD (Drop On Demand) – also Geräte, die einzelne Tintentropfen verschießen. Diese Art von Druckern findet man sowohl in der Industrie als auch überwiegend im Büro- und Heimbereich. Bei diesem Verfahren wird noch unterschieden, wie die Tintentröpfchen aus den Düsen getrieben werden – entweder über die BubbleJet- oder die Piezo-Technik.
Für den Druckvorgang muss der Drucker im Wesentlichen zwei Bewegungen ausführen: die Querbewegung des Druckkopfes und die Vertikalbewegung des Bedruckstoffes. Bei jeder Hin- und Herbewegung des Druckkopfes wird der Tintenstrahl bzw. werden die Tintentröpfchen mit Hilfe einer Pumpe über eine Düse durch ein elektrisch geladenes Feld geschleudert. Die elektrisch geladenen Farbtröpfchen werden, je nach Ladungszustand, im elektrischen Feld abgelenkt und wieder aufgefangen, oder durchfliegen dieses, bis sie auf den Bedruckstoff auftreffen. Tonwertabstufungen werden durch mehr oder weniger Tintenauftrag wiedergegeben.
Laserdruck
Der Laserdruck ist ein elektrofotografisches, nichtmechanisches, anschlagfreies Druckverfahren zur Produktion von Ausdrucken auf Papier oder Folien. Es basiert auf der Elektrofotografie7) mittels Laserstrahlen. Laserdrucker zählen zu den Seitendruckern, da die Belichtung (Erstellung der Druckform) und der Druck der ganzen Seite in einem einzigen Durchlauf erfolgen. Die Auflösung eines Laserdruckers beträgt üblicherweise zwischen 600 und 1.200 dpi, Hochleistungsgeräte erreichen bis zu 2.400 dpi.
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden auch mit Leuchtdioden arbeitende LED-Drucker und LED-Plotter meist als »Laserdrucker« bezeichnet, weil das Funktionsprinzip – bis auf die Belichtung – weitgehend mit dem elektrofotografischen Druckverfahren identisch ist, das auch bei Kopiergeräten benutzt wird.
Spezielle Druckverfahren
Nicht zu den elektronischen Druckverfahren werden alle Technologien gezählt, bei denen die Druckformen in der Druckmaschine bebildert werden. Anstatt von »Computer-to-Print« spricht man in diesen Fällen von »Computer-to-Press« oder »integriertem Computer-to-Plate«. Demzufolge lässt sich auch die Risografie8) zumindest technisch nicht in den Digitaldruck einordnen, denn hierbei wird eine siebartige Papier- oder Folienschablone, also eine statische Durchdruckform digital gesteuert erzeugt.
Computer to Press
Dieses Druckverfahren verzichtet auf den Zwischenschritt der Film- oder Druckplattenerstellung. Bei diesem Verfahren, auch Direct Imaging (DI) genannt, wird die Druckform – meist auf einer silikonbeschichteten Folie – direkt in der Druckmaschine digital bebildert. Die Druckdaten werden also direkt vom Computer bzw. aus der Desktop-Publishing-Software an die Druckmaschine gesendet. Laserdioden in der Maschine belichten dann die spezielle Druckfolie auf den Zylindern. Der Druck erfolgt zumeist im wasserlosen Offsetdruck, da der Laser winzige Vertiefungen in die farbabweisende Schicht brennt.
Der Vorteil dieses Druckverfahrens liegt in der Zeitersparnis und den geringeren Rüstkosten durch den Wegfall der konventionellen Filmbelichtung und in einer hohen Passgenauigkeit, da alle Druckformen in der Maschine gleichzeitig absolut registerhaltig bebildert werden.
Da die Bebilderung der Druckform direkt digital über den Computer erfolgt, spricht man ugs. von einem Digitaldruck, obwohl der tatsächliche Druck aber im Offsetverfahren stattfindet.
Kopier- und Multifunktionssysteme
Der Übergang zwischen einem leistungsfähigen Fotokopierer und einem Digitaldrucksystem ist fließend. Kopierer weisen oft noch die Möglichkeiten zum Speichern und Versenden der Druckvorlage auf und werden demnach auch als Multifunktionsgeräte bezeichnet. Je nach Anwendung verfügen Digitaldrucksysteme auch über eine höhere Auflösung und eine höhere Druckgeschwindigkeit.
Bei zusätzlichen Farbdrucksystemen (z.B. Raster-Image-Prozessoren von der Fa. Fiery®), die beispielweise bei einem Multifunktionsgerät nachgerüstet werden können, kommt noch die Stabilisierung der wunschgemäßen Farbwiedergabequalität hinzu, weshalb diese Digital-Farbdrucksysteme auch über ein professionelles Farbmanagementsystem verfügen.
ANMERKUNG: Ungeachtet dessen betreiben viele Copyshops als Angebotserweiterung den »Digitaldruck« auf ein und demselben Multifunktionsgerät, das aber in der Regel nur im vierfarbigen Laserdruckverfahren (Elektrofotografie) arbeitet und in manchen Fällen keine Farbechtheit im Sinne eines professionellen Vierfarbdrucks garantiert.
Texte: Eigeninterpretationen des Autors, sowie auszugsweise aus typolexikon.de, Wikipedia und dem Schulbuch »Medien verstehen – gestalten – produzieren«, vereinfacht formuliert und für Berufsschüler·innen aufbereitet.
Grafiken: © Christian Jungmeier