Medienlexikon

Wissenswertes über die Bereiche Typografie, Grafik- und Webdesign, Drucktechnik und Fotografie

Überfüllen

Das »Überfüllen« oder die Über- bzw. Unterfüllung (eng. »trapping« oder »contour trapping«) bezeichnet eine Methode bzw. ein Verfahren innerhalb eines Druckprozesses für das minimale Überlappen von aneinandergrenzenden Farbflächen. Dadurch werden Passungenauigkeiten bzw. weiße Lücken (ugs. »Blitzer«) vermieden und saubere Grenzen zwischen den Farbflächen gewährleistet.

Die Standard-Überfüllungsbreite bei herkömmlichen Layout- und Satzprogrammen (z.B. InDesign von Adobe®) ist automatisch eingestellt und beträgt für Cyan, Magenta und Yellow jeweils 0,25 pt (0,088 mm) und für Schwarz 0,5 pt (0,176 mm). Hellere Farben werden dabei in dunklere expandiert bzw. überfüllt. Für spezielle Anwendungen können die automatischen Werte von den Anwender·innen jedoch jederzeit angepasst werden.

Achtung: Im Gegensatz zur Beschnittzugabe, die für randabfallende Druckwerke über das Endformat hinausreichen muss (ugs. »überfüllt«), bezieht sich die Überfüllung auf die Überlagerung von farbigen Elementen innerhalb des Motivs.

Funktionsweise

Wenn in einem professionellen Druckverfahren mehrere Farben übereinander gedruckt werden müssen, dann muss der Bedruckstoff (Papier) stets perfekt in der Druckanlage der Maschine ausgerichtet sein. Andernfalls werden die Farben auf dem Druckbogen nicht exakt übereinander gedruckt. Durch diesen leichten Versatz würden ohne Überfüllung an der Grenzlinie zweier Druckfarben weiße Ränder oder Lücken (ugs. »Blitzer«) entstehen.

 
Beispiel

Zum besseren Verständnis beschränken wir das folgende Beispiel nur auf zwei Grundfarben der CMYK-Druckfarben: Auf einem rechteckigen, cyanfarbenen Hintergrund soll ein gelber Text gedruckt werden.
Das Layout- und Satzprogramm erkennt die Anordnung der beiden Elemente (Text im Vordergrund, Farbfläche im Hintergrund) und liefert automatisch die korrekte Druckvorlage. Diese besteht beispielsweise für den Bogen-Offsetdruck aus zwei Farbauszügen – nämlich »Cyan« (Rechteck mit ausgespartem Text) und »Yellow« (Text).
Beim Druckvorgang werden nun diese beiden Farben hintereinander – in den jeweiligen Druckwerken der Maschine – auf denselben Papierbogen gedruckt.

Ohne Überfüllung
Oben: Die beiden Farbauszüge »Cyan« und »Yellow« der Druckvorlage. Unten: OHNE Über- bzw. Unterfüllung – durch einen leichten Versatz sind die unerwünschten »Blitzer« an der linken und oberen Seite des Textes deutlich zu sehen, hier scheint das weiße Papier durch. An der rechten und unteren Seite der Buchstaben überschneiden sich hingegen die Farben Cyan und Yellow, was zur Folge hat, dass hier eine Mischfarbe (Grün) entsteht.

In der Praxis ist es nahezu unmöglich, immer eine perfekte Ausrichtung des Bedruckstoffes zu garantieren – daher benötigt man eine Über- bzw. Unterfüllung. Einfach ausgedrückt wird dabei um das hellere Objekt (in unserem Beispiel der Text) eine dünne Kontur gelegt und/oder die Aussparrung in der Hintergrundfläche verkleinert, sodass sich die Grenzlinien der beiden Farbflächen minimal überlappen. Somit können kleine Ausrichtungsfehler kompensiert werden, solange die Verschiebung nicht größer als der Überlappungsbereich ist. Die Größe der Überlappung hängt von der verwendeten Drucktechnik ab. Während im modernen Offsetdruck eine sehr genaue Ausrichtung möglich ist, benötigt man beispielsweise im Siebdruck eine stärkere Überfüllung, um »Blitzer« wirkungsvoll zu verhindern.

Mit Überfüllung
MIT Über- bzw. Unterfüllung: Alle Buchstaben werden mit der gleichen Textfarbe »überfüllt« und die Aussparrung in der Hintergrundfarbe »unterfüllt«, was dazu führt, dass an den Grenzlinen die beiden Druckfarben (Cyan und Yellow) übereinander gedruckt werden und somit keine weiße Papierfarbe mehr durchscheint. Der Bereich der dadurch entstehenden Mischfarbe ist jedoch so gering, dass dieser neue Farbton vom menschlichen Auge nicht als eigene Farbe wahrgenommen wird.
Anwendung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Überfüllung sowohl in Bezug auf die Methode als auch bezüglich des Zeitpunktes innerhalb des Produktionsprozesses, umzusetzen.
So bieten Desktop Publishing-Anwendungen – wie beispielsweise InDesign von Adobe® – eine eingebaute »Trapping-Engine«, die eine korrekte Überfüllung nach gewissen Voreinstellungen automatisch vornimmt. Darüber hinaus ist in den meisten Grafikprogrammen ein manuelles Trapping mit den Optionen Überdrucken, Überfüllen und Unterfüllen möglich, mit deren Einstellungen teilweise auch bestimmte optische Effekte erzielt werden können.

Allerdings sind diese anwendungsinternen Trapping-Informationen im Rahmen eines Produktionsprozesses häufig nicht verlässlich, weil es aufgrund von Inkompatibilitäten (u.a. bei den unterstützten Postscript-Versionen) zu fehlerhaften Interpretationen der Überfüllung kommen kann. Deshalb wird die Überfüllung in der Praxis meistens im letzten Produktionsschritt vorgenommen, also im RIP (»Raster Image Processor«) der Druckplattenausgabe bzw. des Workflowsystems. Voreingestellte Trapping-Werte der Anwendersoftware werden automatisch überschrieben bzw. angepasst und dadurch wird in den meisten Fällen das beste Ergebnis erzielt.

 

FAZIT: Grafiker·innen brauchen sich in der Regel um eine Überfüllung und deren korrekte Einstellungen nicht explizit kümmern, sofern die Gestaltung nicht bestimmte optische Effekte verlangt, die durch entsprechende Trapping-Werte erreicht werden können. In solchen Fällen ist jedoch eine Absprache mit der Druckerei vor dem Druckprozess ratsam.

Überfüllung Vergleich
Druckbildvergleich ohne und mit Über- bzw. Unterfüllung. Das menschliche Auge nimmt die papierweißen »Blitzer« stärker wahr (links), als die Farbüberlagerungen durch das Trapping (rechts).
 

Texte: Eigeninterpretationen des Autors, sowie auszugsweise aus typolexikon.de, Wikipedia und dem Schulbuch »Medien verstehen – gestalten – produzieren«, vereinfacht formuliert und für Berufsschüler·innen aufbereitet.
Grafiken: © Christian Jungmeier

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Bei den Texten für die Artikel wurde auszugsweise auf Formulierungen und Textpassagen von Wolfgang Beinert (Typolexikon.de), Wikipedia oder dem Schulbuch »Medien verstehen – gestalten – produzieren« zurückgegriffen. Dabei wurde versucht, gemeinsam mit einer eigener Interpretation und Formulierung die Themen zu vereinfachen und auf das Wesentliche für Berufsschüler·innen zu reduzieren. Sollten Texte oder Informationen 1:1 übernommen bzw. zitiert worden sein, so ist das in der Quellenangabe des jeweiligen Artikels gesondert angeführt.

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C. Jungmeier